Wenn wir an Erntedank denken, sehen wir Körbe voller Obst und Gemüse, duftendes Brot und bunt geschmückte Altäre. Doch Erntedank ist weit mehr als ein Fest der Ernte. Erntedank erinnert uns daran, dass das Leben nicht selbstverständlich ist. Das tägliche Brot, das Wasser, die Früchte der Erde, die Menschen an unserer Seite – vieles davon können wir nicht einfach machen oder erzwingen. Es wird uns geschenkt.

In einer Zeit, in der wir oft nur das sehen, was uns fehlt, was wir noch nicht haben, lädt uns Erntedank dazu ein, den Blick dankbar auf das zu richten, was bereits da ist. Dankbarkeit verändert unsere Perspektive. Sie lässt uns erkennen, wie reich wir beschenkt sind – nicht nur mit materiellen Gütern, sondern auch mit Zeit, Freundschaft, Gesundheit, Liebe und Hoffnung.

Die Ernte ist zugleich ein Bild für unser eigenes Leben. Was haben wir in diesem Jahr gesät? Welche Früchte sind gewachsen – in unseren Familien, in unserer Gemeinde, in unserem Glauben, in mir? Und wo braucht es Geduld, Vertrauen und die Hoffnung auf neues Wachstum?

Gott schenkt Wachstum, oft auf eine Weise, die wir erst im Rückblick erkennen. Er begleitet uns durch Zeiten des Überflusses ebenso wie durch Zeiten der Dürre. Deshalb dürfen wir mit dankbarem Herzen sagen: „Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt o Gott von dir, dafür danken wir.“

Möge das Erntedankfest uns neu daran erinnern, achtsam mit den Gaben der Schöpfung umzugehen, sie miteinander zu teilen und aus der Dankbarkeit heraus Hoffnung und Zuversicht weiterzugeben. Denn ein dankbares Herz sieht nicht nur, was es empfangen hat – es wird selbst zum Segen für andere.

Corinna Vorwieger