Der Ursprung des Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettages liegt in den mittelalterlichen Buss- und Fastentagen. Behörden ordneten solche Tage besonders in Krisenzeiten an – etwa bei Kriegen, Seuchen oder Hungersnöten. Die Bevölkerung sollte beten, Busse tun und für Bewahrung danken. Die katholischen und reformierten Kantone führten zunächst eigene Bettage durch. 1832 bestimmte die eidgenössische Tagsatzung den dritten Sonntag im September als gemeinsamen Termin. Nach dem Sonderbundskrieg und der Gründung des Bundesstaates im Jahr 1848 gewann der Bettag zusätzliche Bedeutung: Er sollte die Versöhnung zwischen den Konfessionen und den politischen Lagern sowie den nationalen Zusammenhalt fördern.
«Danken», «Busse tun», «beten»: drei Begriffe in einem Feiertag, die doch etwas aus der Zeit gefallen wirken. Gerade in diesem Punkt der Geschichte sehen wir, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt immer wieder brüchig wird. Umso mehr hat dieser Feiertag eine hochaktuelle Bedeutung. Beten, Busse tun und für Bewahrung danken – wo sollen wir da anfangen?
Danken? Ja, danken. Wem? Wofür? Als treuen Leserinnen und Lesern des «Forum Kirche» wird Ihnen die Antwort sicherlich leichtfallen. Doch auch wir sehen uns oft als Schmiede unseres eigenen Schicksals. «Wir haben unser Leben im Griff», heisst die Devise – im Gegensatz zu jener oder jenem, die oder der nicht unseren gesellschaftlichen Massstäben entspricht. Doch seien wir einmal ehrlich: So viel, wie wir meinen, haben wir doch gar nicht im Griff, stimmts? Daher sollte es uns nicht schwerfallen, Gründe zum Danken zu finden – auch und vielleicht gerade dann, wenn einmal nicht alles so läuft, wie wir es uns vorstellen.
Busse? Ach herrje, das Wort schon wieder? Erstmal den Staub abklopfen. Für viele Menschen hat Busse höchstens noch mit Falschparken zu tun. Wenn wir aber von Busse sprechen, dürfen wir sagen, dass der büssende Mensch sich zumindest seiner Bedürftigkeit bewusst ist. Er nimmt eine Haltung der Demut ein, die es ihm ermöglicht, trotz allem handlungsfähig zu bleiben – auch wenn er sich seiner vielen Schwächen und Fehler bewusst ist. Denn darin liegt oft eine Versuchung: an sich selbst zu verzweifeln. Die Busse, die im katholischen Glauben vor allem im Sakrament der Beichte einen lebendigen Ausdruck findet, eröffnet immer wieder neue Wege, mit der eigenen Begrenztheit umzugehen.
Beten? Ja, beten. Wie steht es eigentlich um mein Gebetsleben? Nehme ich mir Zeit dafür, auch für andere im Gebet einzustehen – vielleicht ganz still und unerkannt? Bete ich mechanisch, wie bei einer zu erledigenden Aufgabe, oder spreche ich zu Gott wie zu einem liebenden Vater? Ja, wir glauben, dass das Gebet eine geheimnisvolle Kraft besitzt. Es befähigt uns, auch grosse Aufgaben anzugehen und im übertragenen Sinne Berge zu versetzen.
So können wir den Feiertag mit einem Satz aus der Heiligen Schrift zusammenfassen:
«Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.» Psalm 103,2
Joža Tadić