Am Nationalfeiertag feiern wir die Gründung der Eidgenossenschaft – ein Zusammenschluss von verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Regionen, Sprachen und Kulturen, die sich auf gemeinsame Werte geeinigt haben. Auch heute noch lebt die Schweiz von dieser Vielfalt – und der Kunst, sie zu einem friedlichen Miteinander zu verweben. Diese Einheit scheint ins Wanken geraten zu sein. Man hat das Gefühl, dass sich Fronten verhärtet haben, wir der Zukunft und dem Zusammenhalt nicht mehr einfach sorglos entgegenschauen können. Die Kirche kennt dieses Bild: Paulus spricht vom Leib mit vielen Gliedern – jedes verschieden, jedes wichtig. Kein Teil ist „besser“ als das andere. Erst im Zusammenspiel wird der Leib lebendig:

„Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl es viele sind, ein Leib sind: so auch Christus.“ – 1. Korinther 12,12

Einheit bedeutet nicht Gleichmacherei. Sondern Anerkennung der Unterschiedlichkeit als Reichtum – getragen von Respekt, gegenseitigem Zuhören und einer gemeinsamen Ausrichtung: Gott und das Wohl des Ganzen.

Als Sohn von kroatischen Einwanderern habe ich auch die Spannungen erlebt, die es mit sich bringt in verschiedenen Kulturen aufzuwachsen. Dies gilt es oft auszuhalten und zu tragen. In dieser Zeit hat keiner mir das «Schweizer Sein» so charmant, liebenswert und doch mit einem kritischen Unterton näher gebracht als der unvergleichliche Mani Matter. Noch heute höre ich ihn gerne und oft, inzwischen auch mit meinen Kindern. In seinem Lied Dynamit, heisst es:
 

Han ig ihm d′Schwyz o mit Rächt eso prise
Fragen i mi no bis hüt hindedry
Und no uf eis het dä Ma mi higwise
Louf i am Bundeshus sider verby
Mues i gäng dänke, s'steit numen uf Zyt S′länge fürs z'spränge paar Seck Dynamit
 

Gerade heute ist eine Haltung des Dialogs, des aufeinander zugehens gefragt – in Kirche, Gesellschaft und Politik. Vielfalt kann uns trennen – oder verbinden. Entscheidend ist, ob wir bereit sind, einander wirklich als Geschwister zu sehen.

Joža Tadić