Für Christen ist der Namenstag der Gedenktag des Heiligen, der an einem bestimmten Tag gefeiert wird. Früher war der Namenstag viel wichtiger als der Geburtstag. In meiner Kinder- und Jugendzeit feierte man nicht den Geburtstag, sondern den Namenstag. Der Geburtstag feiert das biologische Leben, der Namenstag erinnert an die Aufnahme in die christliche Gemeinschaft durch die Taufe. Zu Beginn der Taufspendung wird deshalb nach dem Namen des Täuflings gefragt.
Man hatte früher selbstverständlich einen christlichen Vornamen und wusste auch, wann dieser Heilige gefeiert wurde. Ich kannte eine Frau, die jeden Tag sagen konnte, welcher Heilige an diesem Tag gefeiert wurde. Wenn man in Afrika als erwachsene Person getauft wird, wählt man oft einen neuen, christlichen Namen.
Heute werden in den Medien nur noch selten besondere Tage von Heiligen erwähnt, wie zum Beispiel der heilige Stephanus am Stephanstag oder die Eisheiligen im Mai, wobei man kaum mehr ihre Namen kennt. Bei der Rangliste der meisten Namen, die bei der Geburt gewählt werden, gibt es heute oft keine christliche Namen. Es gibt Modenamen, die je nach Jahr anders lauten. Es gibt Namen, die nach bekannten Personen ausgewählt werdenn. Es gibt auch immer mehr Phantasienamen. Zurzeit sind vor allem Kurznamen gefragt, mit drei oder höchstens vier Buchstaben.
Im Monat Juni feiern wir verschiedene Heilige, so Johannes den Täufer am 24. Juni und die Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni. Kinder, die früher Hans, Peter oder Paul hiessen, findet man heute kaum mehr. Aber ob man nun einen christlichen Vornamen hat oder nicht, wichtig ist, dass wir mit den Heiligen verbunden sind, mit jenen Menschen, die in Gott die Vollendung, das ewige Leben gefunden haben. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir die Gemeinschaft der Heiligen, in die wir einmal aufgenommen werden.
P. Josef Gander