Schon bald feiern wir Fronleichnam. Gleichzeitig dürfen wir im Gottesdienst unsere neuen Ministranten in die Minischar aufnehmen. Diese besondere Feier, zu der wir uns im Schützenhaus in Landschlacht versammeln (siehe Gottesdienstordnung), erinnert uns daran, dass der Glaube früher viel öffentlicher gelebt wurde. Feierliche Prozessionen – wie wir sie jedes Jahr an Christi Himmelfahrt bei unseren Freunden in Hagnau erleben dürfen – sind bei uns fast ganz verschwunden. Religion scheint heute oft Privatsache zu sein, das Religiöse soll möglichst verborgen bleiben, wie ein unbequemes Familiengeheimnis. Schade, wie ich finde. Aber warum eigentlich? In gewisser Weise erinnert das an die Zeit der ersten Christen – wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen.

Der Schutzpatron der Ministranten, der heilige Tarzisius, war laut christlicher Überlieferung ein junger Christ im Rom des 3. Jahrhunderts. Er erhielt den Auftrag, die Eucharistie – die geweihten Hostien – zu gefangenen Christen ins Gefängnis zu bringen. Unterwegs wurde er von anderen Jungen bedrängt, die wissen wollten, was er bei sich trägt. Weil er das Heilige schützen wollte, weigerte er sich, es herauszugeben. Daraufhin wurde er geschlagen und dabei so schwer verletzt, dass er starb. Die Überlieferung erzählt, dass die Eucharistie dabei unversehrt blieb. Das Heilige zu schützen, halte ich für eine wichtige Aufgabe der Kirche – gerade in einer Zeit, in der die Profanisierung des Alltags vieles erfasst. Das Heilige vom Alltäglichen zu unterscheiden gelingt uns nur durch eine innere, aber auch durch eine äussere Haltung. Der Körper betet mit und zeigt nach aussen, was im Innersten geschieht: wenn wir eine Kirche betreten, das Kreuzzeichen machen oder zur Kommunion gehen, um den Leib Christi zu empfangen. Ministrantinnen und Ministranten sind dafür Vorbilder und Wegweiser – durch ihr Tun, ihre Haltung und ihre Kleidung. Nicht nur damals, sondern gerade heute.

 Joža Tadić