Für alle Menschen hat sich, mit den Vorgaben des Bundesrates, während der Corona Krise vieles in ihrem Alltag verändert. Dabei scheint vor allem die physische Distanz zu anderen Menschen ein grosser Verzicht für viele von uns zu sein. Dies ist zum Schutz der Risikogruppe und der weiteren Verbreitung des Virus notwendig.
Für Familien mit einem chronisch kranken Kind können Situationen wie diese völlig normal sein. Wir selbst kennen eine solche «Isolations-Situation» aus der Zeit der Chemotherapie unserer Tochter. Mehr als eineinhalb Jahre hatten wir nur sehr eingeschränkt persönliche Kontakte zur Aussenwelt und nur dann, wenn ihre Blutwerte temporär gut waren. Die Distanz war als Schutzmassnahme vor möglichen Ansteckungen aufgrund des schwachen Immunsystems notwendig. Bereits ein kleiner Husten, Schnupfen oder sogar die, oft als harmlos angeschauten, Windpocken hätten lebensbedrohlich werden können.
In dieser Zeit waren wir «Aussenseiter», weil wir zum Beispiel den Griff des Einkaufswagens desinfiziert oder regelmässig sehr gründlich die Hände wuschen. Dass wir auf das Händeschütteln verzichteten wurde zur Normalität.
Nun sitzen plötzlich alle im selben Boot!
Wir alle halten uns an die Hygienevorschriften: Zum Schutz der Risikogruppen. Für viele Menschen aus diesen Gruppen waren und sind diese Vorschriften im Alltag ganz normal.
Vielleicht ist es eine Zeit, in der man wieder zu schätzen lernt, was man hat.
Viele sprechen von Verzicht. Gewinnt man nicht auch etwas aus der Situation?
Die Familien sind im Alltag zu sehr viel Kreativität «gezwungen».
Wir haben die Chemozeit unserer Tochter oft mit sehr verrückten Ideen überbrückt. Wir waren durch Videotelefonie in Kontakt mit Verwandten und Freunden, haben zu Hause Oktoberfest gefeiert, haben viel gesungen, getanzt und Partys gefeiert oder Spiele gespielt.
Wenn wir wollen, ist ganz vieles möglich.
Der Gewinn aus der Situation ist somit der Zusammenhalt der Familie und die Solidarität unserer Mitmenschen. Es ist schön in einer geborgenen Umgebung leben zu dürfen in der jeder auf jeden achtet.
Gemeinsam überstehen wir diese Zeit und nutzen die Zeit für die positiven Nebeneffekte.
Verena Manser,
Kinder und Familien